Foto: Das Salz Swanetiens ©National Archives of Georgia

Der italienische Regisseur Federico Fellini beschrieb das georgische Kino so: „Das georgische Kino ist ein sonderbares Phänomen, speziell, philosophisch leicht, kultiviert und zur selben Zeit kindlich rein und unschuldig. Es hat alles das was mich zum weinen bringt und ich sollte erwähnen das mein weinen keine einfache Sache ist“.

Federico Fellini

1896 Die erste öffentliche Filmvorführung fand am 16 November in Tiflis statt. An dem Tag wurden die Kurzfilme der Brüder Lumière gezeigt. Kurz danach wurden mehrere Kinos auch in der Region von Georgien eröffnet.

1908-1910 Die ersten Filme, „Bewegte Bilder“ bzw. „lebende Fotografie“, wie das neue Medium damals häufig bezeichnet wurde, stammen aus alltäglichem Leben und dauerten meist nur einige Sekunden.

1912 Der Kameramann Wasil Amaschukeli stellte den ersten erzählenden Dokumentarfilm REISE VON AKAKI ZERETELI IN RATSCHA-LETSCHCHUMI in Georgien her. Es handelte sich um den 72. Geburtstag des Schriftstellers Akaki Zereteli und zeigte dessen Reise durch Westgeorgien.

Filmausschnitt „Reise von Akaki Zereteli in Ratscha – Letschchumi “ Regie: Wasil Amaschukeli

1916 Der erste georgische Spielfilm CHRISTINE kam in die Kinos. Der Film wurde von Alexandre Zuzunawa zusammen mit Germane Gogitidze gedreht. Es war eine Literaturverfilmung nach dem gleichnamigen Roman von Egnate Ninoshvili

1918 wurde eine unabhängige Republik gegründet, die jedoch bereits drei Jahre später von der Sowjetunion annektiert wurde. Ab dieser Zeit machte sich die politische Ideologie der Sowjetunion in der Georgischen Filmindustrie bemerkbar.

1925 Es folgten weitere Arbeiten von Alexandre Zuzunawa WER IST DER SCHULDIGE 1925, KHANUMA 1926, ZWEI JÄGER 1927, DER AUFSTAND IN GURIEN 1928,

1928 Der Stummfilm ELISO (Regie: Nikolos Schen­ge­laja) erzählt eine Episode aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, als das Volk der Tschetschenen aus dem zaristischen Rußland in die Türkei zwangsumgesiedelt werden sollte. In Werdi, einem friedlichen tschetschenischen Dorf, gelingt es russischen Kosaken, die das Dorf übernehmen wollen, die Einwohner durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zum Weggehen zu bewegen. Elisso, die Tochter des Dorfältesten, steckt ihr Dorf Werdi in Brand, das nun niemandem mehr gehört. Es ist eine Literaturverfilmung nach dem gleichnamigen Roman von Alexander Kazbegi

1928 drehte Micheil Tschiaureli seinen ersten Film DIE LETZTE STUNDE, einen Spielfilm über den russischen Bürgerkrieg und noch im gleichen Jahr DER ERSTE LEUTNANT. Seine frühen Filme propagierten die sowjetische Ideologie durch satirische Vergleiche mit traditionellen georgischen Auffassungen. 1938 begann er eine Reihe monumentaler Filme zu drehen. In allen Streifen spielte Stalin die Hauptrolle, dargestellt von dem georgischen Schauspieler Micheil Gelowani. Sie gelten als Höhepunkte des filmischen Personenkults um Stalin. DER GROßE FUNKE (1938) beschreibt die Oktoberrevolution als Werk von Lenin und Stalin. IM SCHWUR (1946) stirbt Lenin und Stalin tritt seine Nachfolge an, verkündet den Genossen die revolutionäre Botschaft und zeigt einfachen Menschen wie man einen Traktor repariert. In Film DER FALL VON BERLIN(1950) wurde Stalin als persönlich verantwortlich für den Sieg im Krieg dargestellt. Er wurde fünfmal mit dem Staatspreis der UdSSR ausgezeichnet (1941, 1943, 1946, 1947, 1950). Der Leninorden wurde ihm dreimal verliehen. Außerdem erhielt er zwei weitere sowjetische Orden und verschiedene Medaillen.

1929 MEINE GROßMUTTER war der erste Georgische Film der wegen seiner regimekritischen Aussagen bis 1961 verboten war. Eine absolut außergewöhnliche, surrealistisch angehauchte Stummfilm-Satire die sich auf die Bürokratie der Sowjetunion der 20er Jahre bezieht. Regie: Konstantin Mikaberidze Szenenbild: Irakli Gamrekeli, Vladimir Sidamon-Eristavi

Filmausschnitte „Meine Großmutter“ Regie: Konstantin Mikaberidze

1930 Mikhail Kalatozov (Kalatozishvili) Cutter und Kameramann, begann seine Regietätigkeit mit dem Dokumentarfilmen.

Der Film »Jim Shvante | » Salz für Swanetien« ist berühmt für seine schönen Bilder und den sensiblen Blick auf das harte Leben in einem abgelegenen kaukasischen Dorf. Die sowjetischen Behörden warfen ihm jedoch vor, im Widerspruch zur Staatsideologie zu stehen. Der Spielfilm » Der Nagel im Stiefel « 1931 wurde mit der gleichen Begründung verboten. Kalatosov durfte acht Jahre lang keine Filme mehr drehen und musste sich auf Verwaltungsaufgaben in der georgischen Filmindustrie beschränken. 1939 wurde er Hauptverwalter der sowjetischen Spielfilmproduktion. In dieser Funktion arbeitete er für eine kurze Zeit als sowjetischer Kulturrepräsentant in Los Angeles. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Stellvertretender Minister für Filmproduktion und nahm 1950 wieder seine Regie-Karriere auf. ¹

Sein Film » Die Kraniche ziehen « 1957 basiert auf Viktor Rosows Drama » Die ewig Lebenden « 1943. Der Film erzählt von einer Liebe zweier junger Menschen, Boris (Alexei Batalow) und Weronika (Tatjana Samoilowa) in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. 1958 gewann der Film die Goldene Palme beim Film-Festival Cannes. Gelobt wurden der expressive Stil, die entfesselten Kamerafahrten, die Kühnheit der Montage und die sorgfältige Bildkomposition. „Hundert Jahre habe ich nichts Ähnliches gesehen!“ lobte Pablo Picasso, nachdem er 1958 an der Croisette » Wenn die Kraniche ziehen «, angeschaut hatte.

Der in spanischer Sprache und mit kubanischen Schauspielern und Mitarbeitern gedrehte Streifen » Ich bin Kuba « 1964, eine surreale Hymne auf die kubanische Revolution, den die Sowjetunion 30 Jahre lang ins Archiv verbannte, erhielt 2004 in Cannes eine Mention Découverte, eine Belobigung als Entdeckung des Jahres.

Fotos © National Archives of Georgia Regie: Mikhail Kalatozov (Kalatozishvili)

²Er wurde in den 1990er Jahren von Francis Ford Coppola und Martin Scorsese auf den internationalen Markt gebracht. 1969 drehte er Das rote Zelt, eine sowjetisch-italienische Koproduktion mit Sean Connery und Claudia Cardinale in den Hauptrollen.²

In den 30er Jahren wurden interessante Filme im komödiantischem Genre geschaffen: Jujunas Aussteuer (1934; Siko Palavandischvili) und Auf baldiges Wiedersehen (1934; G. Makarow), sowie romantisch-abenteuerliche Werke von dem Regisseur Siko Dolidze : Die letzte Crusaders (1934) und Dariko (1936). Ein bedeutsames bildnerisches Ereignis fand statt mit David Rondelis komödie Das Verlorene Paradies (1937), dessen Erfolg wurde sehr durch David Kakabadzes und Christesia Lebanidze filmkünstlerisch innovatives Arrangement verstärkt.

Ab den 40er jahren fing die schöpferische Aktivität der Regisseure: Konstantin Papinashvili, Shota Managadze, Nikoloz Sanishvili an.

1948 KETO UND KOTE (Regie: Vakhtang Tabliashvili, Shalva Gedevanishvili) ist ein komödiantisches Musical über das georgische Stadtleben im 19. Jahrhundert. Das georgische Publikum ist bis heute begeistert. Der Film gilt als erster Musikfilm des georgischen Kinos.Die Hauptpersonen werden von Medea Japaridze, Batu Kvateisvili und Petre Amiranasvili gespielt. (Georgisches national ballet)

Filmausschnitte: Kote und Kote Regie: Vakhtang Tabliashvili, Shalva Gedevanishvili

¹ Wenn die Kraniche ziehen von Michail Kalatosow 28.02.2002 Die Welt ⧉ ² www.stummfilm-live.de ⧉ www.arsenal-berlin.de ⧉